Das Ortsbild

Verkehr 1920 - 1967

War es damals die Eisenbahn, die den Straßenverkehr mit den eisenbereiften Pferdefuhrwerken verdrängte, so ist bereits heute der Straßenverkehr zu einer ernsthaften Konkurrenz der Eisenbahn geworden. Die Entwicklung der ,,Wagen ohne Deichsel", wie die Kraftfahrzeuge damals genannt wurden, hat einen enormen Aufschwung genommen. Waren ursprünglich doch nur Wagen für den Personenverkehr konstruiert worden, so schuf der menschliche Erfindergeist sehr rasch die mit vielen Pferdestärken ausgerüsteten Lastkraftwagen zur Beförderung von Gütern. Diese Entwicklung wurde aber gleichzeitig auch ein Problem für die Straßenbauer: Die gummibereiften Kraftfahrzeuge fuhren nun mit der vielfachen Geschwindigkeit der damaligen Pferdefuhrwerke. 80 Kilometer in der Stunde zurückzulegen, ist heute für einen Lastkraftwagen und selbst für Fernlastzüge mit Anhängern kein Problem mehr. Die Personenwagen fahren noch schneller. Diese Entwicklung zwang den Staat, das Straßennetz den modernen Ansprüchen anzupassen und auszubauen. Hierzu wurde das gesamte Straßennetz in Deutschland in mehrere Klassen eingestuft: Autobahnen und Bundesstraßen (früher Reichsstraßen), Landstraßen, Kreisstraßen und Gemeindestraßen. Entsprechend dieser Einstufung erfolgte auch der Ausbau, wobei die Kosten für den Bau und Unterhalt der Autobahnen und Bundesstraßen die Bundesrepublik Deutschland, für die Landstraßen das Land Bayern, für die Kreisstraßen der zuständige Landkreis und zuletzt für die Gemeindestraßen die jeweilige Gemeinde zu tragen hat.

War nun früher unser Altenmarkt schon von wichtiger verkehrsmäßiger Bedeutung, so erlangte es durch die Straßenklassifizierung wiederum die Schlüsselposition eines Verkehrsknotenpunktes: Die Straße München-Wasserburg-Altenmarkt-Traunstein-Freilassing (Landesgrenze) wurde als Bundesstraße eingestuft. Sie erhielt die Straßen-Nummer 304. Die gleiche Ehre wurde der Kraiburger (Wasserburger) Straße zuteil: Sie wurde ebenfalls Bundesstraße (Nr. 299). Sie endet in Altenmarkt an der Einmündung in die Bundesstraße 304 bei der Bäckerei Schneeweis.

Die schnellfahrenden Kraftfahrzeuge mit ihren breiten Gummireifen zogen an trockenen Tagen lange große Staubwolken hinter sich her. Die Anwohner solcher Straßen konnten oftmals tagelang die Fenster nicht öffnen, wollten sie nicht im Staub ersticken. Das hätte den Straßenbaulastträger allerdings nicht so sehr gestört, oder gar veranlasst, eine Änderung herbeizuführen, wenn nicht hinzugekommen wäre, daß durch den schnellen und immer zahlreicher werdenden Verkehr die Sandstraßen derart mitgenommen wurden, daß die Wagen bald nur noch über eine mit Löchern übersäte Straße fuhren. Feder- und Achsbrüche waren keine Seltenheit, wenn ein Wagenlenker seine Fahrgeschwindigkeit nicht mäßigte. Da durch aufkiesen immer nur vorübergehend Abhilfe geschaffen werden konnte, war der Straßenbaulastträger gezwungen, die Straßenoberfläche zu befestigen. Dies geschah durch Aufbringen einer geschlossenen Teerdecke, die mit einer schweren Motorwalze glattgewalzt wurde. Selbstverständlich waren die Bundesstraßen (die damals noch Reichsstraßen hießen) zuerst an der Reihe. Dadurch konnte sich Altenmarkt rühmen, bereits in den Jahren 1936 bis 1938 über zwei Teerstraßen (nämlich die Bundesstraßen 299 und 304) an den überörtlichen Verkehr sehr gut angeschlossen zu sein.