St. Wolfgang
Der massige Turm aus Steinquadern stammt nämlich noch aus dem 13. Jahrhundert, wie der spätromanische Bogenfries und die Klangarkaden unter dem originellen Turmdach beweisen. Die Wallfahrtslegende reicht noch viel weiter zurück und behauptet, hier habe schon im 10. Jahrhundert eine Kapelle gestanden, in der einst Bischof Wolfgang Rast gemacht und gepredigt habe. Im 14. Jahrhundert muß jedenfalls bereits ein reger Wallfahrtsbetrieb geherrscht haben, denn sonst hätte das Stift Baumburg wohl kaum neben der Kirche ein kleines Priesterhaus gebaut und dort einen Benefiziaten angesiedelt, wie einer chronikalischen Notiz aus dem Jahre 1409 zu entnehmen ist. Obwohl die Kirche wiederholt umgestaltet wurde, dominiert im schlichten Innenraum immer noch die Gotik. Es wurden auch bei der Barockisierung um das Jahr 1720 die gotischen Kreuzgewölbe beibehalten, denen man nur die Rippen abschlug. Über das ganze Kirchengewölbe zog damals ein unbekannter Meister aus der Wessobrunner Stukkatorenschule ein feines, weitmaschiges, gelblich und rosa getöntes Rankenwerk aus Gips. Aus derselben Zeit stammen die beiden Seitenaltäre aus Stuck. In der Mitte des barocken Hochaltars thront die Figur des heiligen Wolfgang. Noch von der gotischen Kirchenausstattung stammt eine Darstellung der Beweinung Christi durch Maria an der linken Chorwand, eine Steingußplastik im Stil der Schönen Madonnen. Als Pendant dazu finden wir an der rechten Chorwand eine barocke Figur der Mater gloriosa, der Gottesmutter mit dem Jesuskind. Von den einst wohl sehr zahlreichen Votivbildern haben nur wenige die Zeit der Aufklärung und der Säkularisation überdauert. Hingegen vermitteln die Tafelbilder an der Emporenbrüstung mit Szenen aus der Wolfgangslegende den ganzen Reichtum volkstümlicher Phantasie vergangener Zeiten. Noch mehr aber erinnert ein seltsames Steingebilde vor den Stufen zum Hochaltar an das gläubige Vertrauen, das man hier jahrhundertelang dem heiligen Wolfgang entgegengebracht hat. Es ist eine niedrige, dreiteilige Brüstung aus rotem Marmor, in die folgende barock verschnörkelte Inschrift eingemeißelt wurde: "Wahrer Ort und Merkhmal so allhier H. Bischoff Wolffgangus in einer Durchreiß bey genohmener Rasst in den Stein als ein Zeichen unterlassen hat." Diese Brüstung umschließt einen Felsbrocken im Kirchenboden mit seltsamen Schrunden und Löchern.
|