Mittelpunkt des Ortes: Die Filialkirche St. Aegidius

Quelle: Heimatverein Altenmarkt

Spaziert man von der Alzbrücke in Altenmarkt die Traunsteiner Straße Richtung Ortsmitte entlang, vom Verkehrslärm umtost, so gelangt man unerwartet an einen angenehmen, freien Platz mit der St. Aegidiuskirche. Je mehr man sich auf diesem ehemaligen Friedhof dem Gotteshaus nähert, desto größere Ruhe tritt ein. Rückwärts zeigt sich die romantische Seite des Ortes. Alzarme und Kanäle ließen hier unbetretene Inseln entstehen mit Schrebergärten an der früheren Ortsstraße – darüber thronend das ehemalige Augustinerchorherrnstift Baumburg. Seine Filialkirche St. Aegidius stammt im Kern noch aus romanischer Zeit, der untere Turmteil ist gotisch. Im 15. Jahrhundert wird das Gotteshaus erstmals urkundlich erwähnt. Leonhart Hingär, Bürger zu Altenmarkt, verkaufte seinen Acker hinter St. Aegidien um Mittefasten 1436 an Heinrich, den Hoffschmidt. (1) Die frühbarocke Vorhalle trägt die Jahreszahl 1630, Propst Patritius Stöttner (1707 – 1737) baute das Kirchlein im barocken Stil um, wobei die Vorhalle und der romanische Unterbau stehen gelassen wurden. Auf der Baumburger Klosteransicht von Michael Wening, auf dem Votivbild der Gemeinde Altenmarkt in Feichten und auf dem Deckenfresko im Chor der Stiftskirche Baumburg lässt sich der früher vorhandene Spitzhelm noch gut erkennen. Der jetzige Turmaufsatz (ca. 1764) von Rokokobaumeister Franz Alois Mayr aus Trostberg ist ein Prachtstück: An den vier Abschrägungen sitzt je ein toskanischer Pilaster, der sich in umlaufendem Gebälk verkröpft. Ein schindelgedecktes Zwiebeldach mit Laterne bekrönt den sehr schlank erscheinenden Turm. (2) Manch Unbill hat die „Markt“-Kirche ertragen müssen. Ob sie 1192 die Flammen überstanden hat, als Rapoto von Stein Kloster und Markt niederbrannte, ist unbekannt. In den napoleonischen Kriegen wurde sie schwer in Mitleidenschaft gezogen, wie aus einem dringlichen Bittgesuch des Baumburger Propstes an das Landgericht Trostberg hervorgeht. Am 15. Januar 1801 wurden nach der Schlacht bei Hohenlinden gefangene Österreicher auf dem Friedhof und in der Kirche eingesperrt. Sowohl in der Kirche als auch auf dem Friedhof machten sie Feuer. Alle Kirchenstühle, Friedhofskreuze und sogar Särge wurden verbrannt.

Die Auflösung des Klosters Baumburg 1803 war für die Bevölkerung und Filialkirche ebenfalls eine Katastrophe. Dringendste Bittgesuche werden an das Königliche Landgericht Trostberg gerichtet. 1833 drohte der beschädigte Kirchturm ins Kirchendach zu stürzen. Aus Gemeinderatsbeschluss Nr. 35: „Sollten doch endlich einmal die Kapitalien, welche das Kloster Baumburg ... entlohnt hat, vom Staate, wovon die Zinsfreiheit seit Aufhebung des Klosters sich schon auf 2000 fl beläuft, anerkannt und die Rückstände hierher bezahlt werden, so ist man keiner weiteren Hilfe bedürftig“.

1849 wurde das Bauwerk restauriert, 1850 von der Kirchenverwaltung die „Beischaffung“ einer neuen  Orgel beantragt, aber: „Die Gemeinde Altenmarkt kann zu Beiträgen für die Orgel billigerweise nicht aufgerufen werden. Sie ist ohnehin wegen der vielen Kleinbesitzer und Taglöhner arm, nachdem im Vorjahr von Doppelfeuer betroffen und hat heuer die Lasten der Schulhausreparatur  über sich zu nehmen“. Weitere Restaurierungen erfolgten dann erst 1879 und 1895. 1896 erhielt das Gotteshaus den neubarocken St. Aegidius-Altar. 1930 und 1954 wurden Entfeuchtungsmaßnahmen durchgeführt und neue Farbtönungen angebracht.

Im Rahmen des Ausbaus der Ortsdurchfahrt löste man den Friedhof um die Kirche im April 1962 auf. Das an der Bundesstraße gelegene Leichenhaus, die 1830 erbaute Friedhofsmauer und das Kriegerdenkmal wunden abgerissen. Auf der Rasenfläche erinnern nur noch schlichte Steinkreuze daran. War auch die Mauer ein enormes Verkehrshindernis und der Friedhof seit 1953 für Beerdigungen gesperrt, so war es für viele Bürger doch ein nachdenklich stimmendes Ereignis, dass letztendlich die Erinnerung an die Toten dem Verkehrsfluss weichen musste.

Ab Herbst 1980 nahm man eine grundlegende Sanierung der Kirche in Angriff: außen wurden Drainagen angelegt, im Kircheninnern ausgekoffert, der Putz abgeschlagen und erneuert. Vor dem Hochaltar fand man ein Skelett und ein Steinfragment, bei dem es sich wahrscheinlich um den Weihestein handelt. Eine neue Fußbodenheizung wurde installiert, Emporenaufgang und Kirchengestühl ebenso erneuert, wobei man die alten Wangen verwendete. „Nach dem Entwurf der Gebrüder Lauber, unter deren Leitung die gesamten Kirchenmalerarbeiten durchgeführt wurden, erhielt die Kirche einen neuen Volksaltar mit einem barocken Medaillon ‚Eherne Schlange’. Den Ambo ziert ein Barockengel aus der bisherigen Ausstattung der Kirche. Direkt über dem Altar als Abschluss des Presbyteriums hängt im Chorbogen das Kreuz gleichsam als neutestamentliche Erfüllung des alttestamentlichen Vorbildes, das die eherne Schlange versinnbildlicht“, schreibt das „Trostberger Tagblatt“ am 24.10.1983. Viele freiwillige Helfer legten in über 150 Arbeitsstunden Hand an. In einer einmaligen Aktion brachten der Pfarrgemeinderat mit einer Haussammlung und die örtlichen Vereine bei verschiedenen Veranstaltungen einen Teil der Kosten zusammen.1984 wurde der Kirchturm neu gedeckt und die Außenfassade mit Farben gestrichen, die der ursprünglichen Tönung entsprachen.